350 Jahre – Rückblick auf das Jubiläum

375 Menschen schreiben Wallfahrtsgeschichte

Die 350. Fußwallfahrt von Werne nach Werl zur „Trösterin der Betrübten“ der Gnadenmutter von Werl wird zum beeindruckenden Zeichen gelebter Gemeinschaft – Jubiläumsjahr verbindet Tradition, Glauben und viele neue Impulse

Bildrechte Wallfahrtsteam Werl

Werne/Werl. 350 Jahre Wallfahrt – und die Tradition lebt. Mehr denn je. Am letzten Augustwochenende machten sich 375 Pilgerinnen und Pilger von Werne auf den 33 Kilometer langen Weg nach Werl. Damit erreichte die 350. Fußwallfahrt die höchste Teilnehmerzahl seit 1986. Besonders erfreulich: Unter den Wallfahrerinnen und Wallfahrern waren in diesem Jahr auffallend viele Kinder und Jugendliche.

Bei nahezu idealem Pilgerwetter mit Temperaturen um 22 Grad zeigte sich eindrucksvoll, was diese Wallfahrt seit Jahrhunderten ausmacht: Menschen machen sich gemeinsam auf den Weg – betend, singend, schweigend, im Gespräch und getragen von einer besonderen Gemeinschaft. Das Jubiläumswochenende am 29. und 30. August 2026 wurde damit zu einem besonderen Höhepunkt in der langen Geschichte der Wallfahrt.

Ein blaues Zeichen der Gemeinschaft

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Bereits bei der ersten Rast in Pelkum gab es eine besondere Überraschung. Jede Pilgerin und jeder Pilger erhielt ein Halstuch in traditionellem Blau – der Farbe der Werner Wallfahrt. Auf dem Tuch war außerdem das Symbol der Wallfahrt aufgedruckt.

Schnell wurde das blaue Halstuch zum sichtbaren Zeichen der großen Pilgergemeinschaft. Über viele Kilometer hinweg waren die blauen Tücher zu sehen und verliehen der Gruppe ein einheitliches, verbindendes Erscheinungsbild. Was zunächst wie eine kleine Aufmerksamkeit wirkte, wurde so zu einem echten Markenzeichen der Jubiläumswallfahrt.

Auch der Weg selbst bot in diesem Jahr besondere Begegnungen. Ab Drechen schloss sich Weihbischof Rolf Lohmann aus dem Bistum Münster der Pilgergruppe an und begleitete sie auf dem letzten Abschnitt nach Werl. Als Weihbischof seines Bistums war es ihm ein besonderes Anliegen, die Pilgerinnen und Pilger aus Werne auf ihrem Weg zu begleiten.

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Eine besondere Ausdauer bewies auch Provinzial Helmut Ratkowski von den Kapuzinern, der die gesamte Strecke von Werne nach Werl zu Fuß zurücklegte.

Eine weitere, ganz besondere Verbindung zur Geschichte der Werner Wallfahrt wurde durch die Teilnahme von Bruder Harald sichtbar. Der ehemalige Guardian des Kapuzinerklosters und Vorgänger von Bruder Laurentius war eigens aus Irland angereist, um das Jubiläum mitzufeiern und die gesamte Strecke mit den Werner Pilgerinnen und Pilgern zu gehen. Seine Teilnahme machte deutlich, wie weit die Verbundenheit mit Werne und seiner Wallfahrt über die Stadt- und sogar über die Landesgrenzen hinaus reicht.

Großer Empfang in Werl

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Gegen 14.15 Uhr erreichten die Pilgerinnen und Pilger Werl. Dort wartete bereits ein herzlicher Empfang. Das Wallfahrtsteam, Fahnenabordnungen anderer Wallfahrten aus Much, Warstein, Olpe und Arpe sowie die beiden Schützenvereine Baaken und Bürgerschützen begrüßten die Werner Wallfahrer.

Aufgrund der Bauarbeiten in der Werler Fußgängerzone erfolgte der Einzug in diesem Jahr auf ungewöhnlichem Weg über den Werler Marktplatz. Von dort ging es zur Basilika, wo die Pilgerinnen und Pilger willkommen geheißen wurden.

Nach Begrüßung und Andacht blieb Zeit für Begegnung. Im Garten der Basilika trafen sich am Nachmittag Pilgerinnen und Pilger, Freunde und Unterstützer der Wallfahrt. Bei Eis, gegrillten Würstchen und kühlen Getränken wurden Erinnerungen an vergangene Wallfahrten ausgetauscht. Alte Geschichten machten die Runde, und schnell wurde deutlich: Eine Wallfahrt lebt nicht nur vom gemeinsamen Weg, sondern ebenso von den Menschen, die ihn miteinander gehen.

Mehr als 100 Gläubige nutzten die Möglichkeit, über Nacht im Pilgerkloster zu bleiben.

Ein neues Votivbild für die 350. Wallfahrt

Ein besonderer Höhepunkt des Jubiläumswochenendes war die Übergabe des neuen Votivbildes. Das Bild hatte bereits wenige Tage zuvor unter den Arkaden auf dem Vorplatz der Werler Basilika seinen dauerhaften Platz gefunden. Entstanden ist es in Zusammenarbeit mit der Werler Künstlerin Martina Dörfler.

Die moderne Darstellung verbindet die lange Tradition der Wallfahrt mit ihrer lebendigen Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen die Pilgerinnen und Pilger, der gemeinsame Weg und das traditionelle Vortragekreuz. Damit schlägt das Bild eine Brücke zwischen 350 Jahren Geschichte und der Zukunft der Wallfahrt.

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Vor Beginn der traditionellen Lichterprozession wurde das neue Votivbild durch Weihbischof Rolf Lohmann gesegnet und anschließend offiziell an das Wallfahrtsteam übergeben.

Danach begann die Lichterandacht mit Festpredigt. Im Schein der Kerzen wurde die jahrhundertealte Tradition der Wallfahrt besonders eindrucksvoll spürbar. Musikalisch gestaltet wurde die Feier durch den Posaunenchor Rhynern-Drechen.

Festhochamt und eine besondere Ehrung

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Am Sonntagmorgen versammelten sich die Pilgerinnen und Pilger zum Festhochamt in der gut gefüllten Basilika. Weihbischof Rolf Lohmann dankte dabei allen, die sich auf den Weg gemacht hatten – stellvertretend auch für die vielen Menschen, die nicht selbst mitgehen konnten.

Musikalisch wurde der Gottesdienst von Organist Gregor Zumholz und dem Bläsercorps Werne begleitet.

Eine besondere Würdigung erhielt Gregor Zumholz anschließend vor dem Aufbruch der Rückwallfahrt. Wallfahrtsleiter Bernd Haase vom Werler Wallfahrtsteam und Weihbischof Rolf Lohmann dankten ihm für seine jahrzehntelange Verbundenheit mit der Wallfahrt. Gregor Zumholz war bereits 1957 erstmals mit nach Werl gepilgert – eine beeindruckende persönliche Wallfahrtsgeschichte.

Kurz vor Mittag hieß es dann Abschied nehmen. Rund 120 Pilgerinnen und Pilger machten sich auf den Rückweg nach Werne.

Eisige Überraschung und die Muttergottes auf dem Rückweg

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Auch der Rückweg hielt noch einige Überraschungen bereit. Nach der Überquerung der Dortmundstraße wartete eine willkommene Erfrischung: Die Pilgerinnen und Pilger wurden mit Eis überrascht.

Durch die Lippwiesen ging es anschließend weiter Richtung Werne. Der Weg war nun überschaubar, und die Freude über die bevorstehende Rückkehr war spürbar.

Für die größte Überraschung sorgte jedoch das Ende der Lippestraße. Dort wartete das Werler Wallfahrtsteam mit einer Nachbildung der Werler Gnadenmutter auf die Rückkehrer.

Die Statue wurde der Pilgergruppe vorangetragen und begleitete sie beim Einzug in die Klosterkirche.

Das Bläsercorps Werne stimmte den traditionellen Einzugsgesang
„O Königin, o milde Frau!“ an.

Zahlreiche Werner Bürgerinnen und Bürger hatten sich auf den Weg gemacht und begrüßten die Rückkehrer in der Fußgängerzone. Gemeinsam ging es weiter zum Kapuzinerkloster. Mit der abschließenden Andacht in der Klosterkirche fand die 350. Wallfahrt ihren feierlichen Abschluss.

Guardian Bruder Laurentius dankte allen, die zum Gelingen der Wallfahrt beigetragen hatten: den Helferinnen und Helfern, den Gebetsleiterinnen und Gebetsleitern, den Kantorinnen und Kantoren, dem Deutschen Roten Kreuz und allen weiteren Unterstützern.

Ein besonderer Dank galt dem Wallfahrtsausschuss unter der Leitung von Klemens Pieper, der das gesamte Jubiläumsjahr intensiv vorbereitet und organisiert hatte.

Eine Stadt trägt ihre Wallfahrt

Dass die Wallfahrt in Werne einen ganz besonderen Stellenwert besitzt, wurde im Jubiläumsjahr nicht nur durch die große Zahl der Pilgerinnen und Pilger sichtbar. Die Verbundenheit der Werner Bevölkerung mit ihrer Wallfahrt und den Kapuzinern zeigte sich auf vielfältige Weise – bei den Veranstaltungen, bei den Begegnungen und nicht zuletzt in einer beeindruckenden Spendenbereitschaft.

Denn eine Jubiläumswallfahrt in dieser Größenordnung lässt sich nicht allein durch ehrenamtliches Engagement organisieren. Viele Angebote, Aktionen und besondere Elemente des Jubiläumsjahres wären ohne finanzielle Unterstützung nicht möglich gewesen.

Die große Spendensumme ist deshalb weit mehr als eine finanzielle Hilfe. Sie ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Werner Bevölkerung hinter ihrer Wallfahrt und dem Kapuzinerkloster steht und bereit ist, Verantwortung für diese jahrhundertealte Tradition zu übernehmen.

Gerade in einer Zeit, in der viele kirchliche Traditionen vor neuen Herausforderungen stehen, ist diese Unterstützung ein starkes Signal: Die Werner Wallfahrt gehört zur Stadt – und die Menschen in Werne tragen sie mit.

Ein ganzes Jahr im Zeichen der 350. Wallfahrt

Die eigentliche Fußwallfahrt war dabei nur der Höhepunkt eines außergewöhnlichen Jubiläumsjahres. Schon im Frühjahr war der Wallfahrtsausschuss beim Werne Genussfrühling präsent und informierte über die Geschichte und die besonderen Veranstaltungen des Jubiläums.

Eine Festschrift zum 350. Jubiläum erinnerte an die lange Geschichte der Wallfahrt und ließ zahlreiche Generationen von Pilgerinnen und Pilgern noch einmal lebendig werden.

Im Mai folgte eine Maiandacht im Kapuzinerkloster, an die sich ein gemeinsames Beisammensein im Klostergarten mit dem Bläsercorps Werne anschloss.

Der Juni stand ganz im Zeichen einer Predigtreihe in den Werner Kirchen. Unter den Themen „Sitz im Leben“, „Die Einladung annehmen“ und „Die Vielfältige“ wurde das Wallfahrtsmotto aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Auch die Stadtprozession griff die biblischen Bezüge des gemeinsamen Unterwegsseins auf.

Beim Familiengottesdienst in Maria Frieden wurde das Jubiläum ebenfalls aufgegriffen. Das Leitwort „Wenn es dir guttut, dann komm!“ stellte dabei die Einladung zum gemeinsamen Weg in den Mittelpunkt.

Beim Plätzerfest im Klostergarten informierte der Wallfahrtsausschuss über das Jubiläumsprogramm und die bevorstehende Wallfahrt.

Der „Bergische Jung“ zu Gast

Ein besonderer kultureller Höhepunkt war der Auftritt von Willibert Pauels, dem bekannten „Bergischen Jung“. Am 27. Juni nahm er die Besucherinnen und Besucher in der Klosterkirche mit auf eine humorvolle und zugleich nachdenkliche Reise unter dem Titel „Kirche, Kölsch, Karneval – von der heilenden Kraft der anderen Perspektive!

Humor, Glaube, Alltag und Menschlichkeit wurden dabei miteinander verbunden – ganz im Sinne eines Jubiläumsjahres, das bewusst auch neue Perspektiven eröffnen wollte.

Geschichte zum Anschauen

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Vom 5. Juli bis zum 14. August wurde im Stadtmuseum Werne die Sonderausstellung „350. Fußwallfahrt Werne-Werl“ gezeigt. Historische Exponate, Fotografien, Dokumente und Erinnerungsstücke machten die lange Geschichte der Wallfahrt sichtbar.

Ergänzt wurde die Ausstellung durch die LEGO-Ausstellung „Mit Maria unterwegs“ des Wallfahrtsteams aus Werl. Gerade die alten Fotos sorgten dabei für zahlreiche persönliche Erinnerungen und Gespräche: Viele Besucher entdeckten bekannte Gesichter aus vergangenen Jahrzehnten wieder.

Eröffnet wurde die Ausstellung am 5. Juli mit einer Heiligen Messe im Kapuzinerkloster.

Premiere auf zwei Rädern

Auch eine Premiere gehörte zum Jubiläumsjahr: Erstmals machte sich parallel zur Fußwallfahrt eine gemeinsame Radwallfahrt von Werne nach Werl auf den Weg.

Die Radpilger starteten am Samstagmorgen an der Klosterpforte, erhielten den Pilgersegen und fuhren anschließend über Drechen nach Werl. Unterwegs gab es geistliche Impulse durch Pfarrdechant Jürgen Schäfer. In Drechen trafen Rad- und Fußpilger zur gemeinsamen Mittagspause zusammen. In Werl schlossen sich die Radpilger der Fußwallfahrt an und gingen gemeinsam zur Basilika.

Damit wurde deutlich: Pilgern kann viele Formen haben – entscheidend ist nicht allein, wie man unterwegs ist, sondern dass man sich gemeinsam auf den Weg macht.

350 Jahre – und kein bisschen müde

Die 350. Fußwallfahrt von Werne nach Werl hat eindrucksvoll gezeigt, dass eine jahrhundertealte Tradition keineswegs selbstverständlich weiterläuft. Sie muss von jeder Generation neu angenommen und mit Leben gefüllt werden.

375 Menschen auf dem Hinweg, darunter erfreulich viele Kinder und Jugendliche, rund 120 auf dem Rückweg, ein neues Votivbild, ein Jubiläumsprogramm mit zahlreichen Veranstaltungen und unzählige Begegnungen machen deutlich: Die Wallfahrt ist mehr als ein historisches Ereignis.

Sie ist gelebter Glaube, Gemeinschaft, Erinnerung und Aufbruch zugleich.

Die Teilnahme von Menschen wie Bruder Harald aus Irland, die Begleitung durch Weihbischof Rolf Lohmann, das Engagement der Kapuziner, die Unterstützung durch die vielen Ehrenamtlichen und vor allem die große Verbundenheit der Werner Bevölkerung zeigen, dass diese Wallfahrt weit mehr ist als ein Termin im Kalender.

Sie ist ein Stück Werne.

Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis ihrer 350-jährigen Geschichte: Immer wieder Menschen einzuladen, sich auf den Weg zu machen – und immer wieder Menschen zu finden, die diesen Weg mittragen.

„Wenn es dir guttut, dann komm!“

375 Menschen haben darauf in diesem Jubiläumsjahr ihre ganz persönliche Antwort gegeben.

(Bildrechte Wallfahrtsausschuss Werne-Werl)
Wallfahrtsausschuss: Heinz Abdinghoff, Bernd Plaß, Bernd Heimann, Martin Weber, Theo Bergmann, Gregor Zumholz Markus Budde, Michael Gemmeke, Elisabeth Schwert, Klemens Pieper, Cirstin Weuler, Br. Lauretius Wenk