Das neue Votivbild

Martina Dörfler
Votivbild Werne, 350 Jahre Fußwallfahrt 2026

Textliche Erläuterungen zu Idee und Gestaltung des Votivbildes

Die ehrenvolle Aufgabe, ein Votivbild zum 350-jährigen Jubiläum der Werner Wallfahrt nach Werl zu gestalten, habe ich mit Freude angenommen und realisiert. Bei einem Ortstermin auf dem Vorplatz der Werler Wallfahrtsbasilika unter den Arkaden wurde mit einer Delegation des Wallfahrtsausschusses aus Werne im Vorfeld entschieden, dass das Format des neuen Votivbildes dem älteren, bereits bestehenden Votivbild entsprechen sollte. Somit stand das Format fest (1,25 m hoch × 0,95 m breit), das mir den Gestaltungsrahmen vorgab.

Nach einer ersten experimentellen Phase klärten sich meine Ideen, und ich konnte ein Konzept mit Gestaltungselementen festlegen, die ich hier erläutern möchte.

Mein gestalterisches Ansinnen: Das Votivbild sollte farbenfroh, lebendig und voller Intensität die Glaubensfreude der Werner Wallfahrer:innen widerspiegeln sowie die Tradition dieser Wallfahrt veranschaulichen.

1) Das Foto von Wallfahrer:innen im Hintergrund

Das Foto zeigt authentisch einen Teil der Fußpilger:innen, die die Feldflur durchwandern und ihrem historischen Vortragekreuz Richtung Werl folgen. Dieses Foto, das einen Teil des Pilgerzuges im Sommer 2025 dokumentiert, ist grundlegendes Gestaltungselement und „Bühne“ für die Platzierung weiterer Elemente. Die auf dem Foto erkennbaren Personen habe ich bewusst per Bildbearbeitung unscharf retuschiert und neutraler gefasst. Das Foto der Werner Wallfahrer:innen füllt fast das gesamte Format aus, der kraftvoll blaue Himmel ist komplett aufgezogen. Das Foto veranschaulicht das, was die Wallfahrer:innen aus Werne seit 350 Jahren in jedem Sommer tun: Sie beschreiten den 33 km langen Weg nach Werl zum Gnadenbild der Maria in der Werler Wallfahrtsbasilika. Es gibt in seiner kraftvollen Farbigkeit gut die frohe, sommerliche Stimmung der Wanderung durch die Feldflur wieder.

2) Die unteren schmalen Querstreifen (hellblau und hellgrün)

Zwei schmale Querstreifen am unteren Bildrand ergänzen und schließen das Format ab.

Der obere, hellblaue Streifen direkt unter dem großen Foto ist rechtsseitig Träger einer knappen textlichen Information zum Jubiläum. Der Text benennt die Wegstrecke und kommentiert die Haltung „… gehen, beten, singen“.
Auf dem darunterliegenden hellgrünen Streifen ist am rechten unteren Rand eine Karte platziert, die schematisch den Fußweg von Werne nach Werl mit den drei Etappen zeigt: 1. Station in Pelkum, 2. Station in Drechen, 3. Ankunft in Werl. Die drei Etappen sind durch partiell sichtbare, rote Radiusbögen/Linien gekennzeichnet. Zusätzlich ist der hellgrüne Querstreifen linksseitig Träger der beiden Stadtwappen von Start und Ziel: Werne (mit dem Christophorus) und Werl (mit dem Petrus-Schlüssel).

3) Das Vortragekreuz im Vordergrund in frontaler Ansicht

Für die Gestaltung des Votivbildes ist das historisch bedeutende und besonders detailreich gestaltete Vortragekreuz von zentraler Bedeutung. Es liegt auf der vordersten Ebene über allen anderen Gestaltungsebenen. Bei der Wallfahrt nach Werl erinnert es die ihm folgenden Wallfahrer:innen an die große Historie ihres Tuns und ist ebenso das universelle Glaubenszeichen als Symbol von Tod und Auferstehung. Das Werner Votivbild trägt dieser Bedeutung Rechnung, indem es bis in den Himmel des Hintergrundfotos ausgestreckt ist und sich vertikal als großes Gestaltungselement im Vordergrund frontal zeigt. Das Vortragekreuz verbindet symbolisch die 350 Wallfahrten über alle Zeiten hinweg miteinander und ist Zeichen der Konstanz ihrer Pilgerschaft.

4) Die Bildleiste oben quer über das Format:

Die Bildleiste dient der plakativen Verortung der Wallfahrt mit dem Ausgangspunkt in Werne, der Klosterkirche und den erkennbaren Gebäuden des Klosterareals. Dann zeigt die Bildleiste das Ziel der Wallfahrt, die Werler Wallfahrtsbasilika mit dem Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“. Am rechten Rand der Bildleiste wird auf goldglänzendem Grund das Datum des Jubiläums 1677–2026 benannt.

Neben den o. g. konkreten Darstellungen beinhaltet das Votivbild ergänzende, bedeutungsvolle Gestaltungselemente, die sichtbar machen und veranschaulichen, was unsichtbar ist. Diese illustrativen Elemente geben atmosphärischen Dingen Gestalt, die nicht konkret greifbar sind.

5) Drei illustrative Linien

Die drei illustrativen, fließenden Linien, die in hell abgestuften Farben über dem Pilgerzug schweben, malen fließend per Pinselstrich den markierten Fußweg der Karte unten rechts nach. In meiner Vorstellung visualisieren die drei Linien die Dreifaltigkeit Gottes, die die Wallfahrer:innen auf dem Weg begleitet – schwungvoll bewegt, malerisch fließend und voller Wärme. Auch können die Linien Lieder darstellen, die während der Wegstrecke gesungen werden, die im Rhythmus des Gehens an- und abschwellen, lauter oder leiser werden.

6) Die Punkte bzw. „Blasen“

Viele helle, gelblich abgestufte Punkte schweben und fliegen durch das Bild „wie aus Freude hochgeworfenes Konfetti“. Die Punkte überlagern das fotografische Hauptmotiv und konzentrieren sich rechts oben sowie linksseitig unten. In meiner Vorstellung können es die Gebete der Wallfahrer:innen sein, die zum Himmel aufsteigen, ihre persönlichen Gedanken – ähnlich „Sprechblasen“. Sie können auch die aufsteigende Freude sein, an der Wallfahrt teilnehmen zu können, Gemeinschaft zu erleben und den Glauben zu spüren, der alle verbindet.

 


Konzept / Idee / Gestaltung des Votivbildes:
Martina Dörfler, Dipl. Designerin, freie Künstlerin

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Malerei · Werke aus Glas · Skulpturen · Objekte

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Das Votivbild zum Werner Wallfahrtsjubiläum 2026 wurde im digitalen Glasdruckverfahren mit speziell hochpigmentierten Glasfarben von „Glasmalerei Peters / Studios“ in Paderborn hergestellt und montiert.